Rares für Bares: Die Art & Antik verjüngt sich

15. Februar 2018 - 2018 / soziotext

Art & Antik – fühlen Sie sich genauso wenig angesprochen wie wir? Altes, Verstaubtes und überteuerte Kapitalanlagen, mit denen man sich vielleicht im erlesen Kreise schmücken kann. Das sind wohl die ersten Assoziationen, die uns durch den Kopf gingen, als wir zur jährlich in Münster stattfindenden Messe eingeladen wurden. Wir haben uns trotzdem hingewagt – und bereuen nichts! (Immerhin haben wir einen STAR getroffen, näheres dazu später.)

Doch das Foyer der Halle Münsterland im Albersloher Weg war so gar nicht verstaubt: Die erstmalige Erweiterung der klassischen Art & Antik um die Sonderausstellung ‚Masterpiece‘ stellt junges Design ab 1960 in den Mittelpunkt. Da hängt schon mal ein übergroßer Schwertfisch aus Stahl neben seifenblasenförmigen Lampen von der Decke und vor dem antiken Sekretär steht ein durchsichtiger Eames-Stuhl. Dieses Jahr noch als Preview im Foyer angesiedelt soll die Masterpiece im nächsten Jahr zum ebenbürtigen Gegengewicht der Art & Antik werden und die Messe in ein “neues Zeitalter führen”, so die Kurator_innen.

Auf in die Zukunft

Altes, Poliertes, Kitschiges und Campyges gab es aber dennoch zuhauf. Ob Silberschmuck, Elfenbeinkrüge, Kirschholzmöbel aus dem Biedermeier oder japanische Holzschnitte, natürlich alles zu erlesenen Preisen (streng geheim), die sich ein_e Student_in vielleicht im nächsten Leben leisten kann. Eine junge Insel im Ozean der Antiquität ist das Forum ‚Positionen der Gegenwart‘ – hot shit abseits des Massengeschmacks. Letztes Jahr noch als Preview in das Foyer verbannt, ist es dieses Jahr schon als fester Bestandteil in der Halle angekommen – auch als Reaktion auf Veränderungen der Kunstszene.

Während in dieser die Auflockerung festgefahrener Schemata schon längst stattfindet, holt die Messe mit den ‚Positionen der Gegenwart‘ und der Masterpiece langsam auf. Dabei fällt der Begriff ‚crossover‘ immer wieder: Alt und Jung sowie verschiedene Kunst- und Designformen finden zusammen. Veränderte Standkonzepte, wie das des Living Room, sind nur ein Ausdruck dieser Bewegung. Der Aussteller ‚Kiez Kabinett‘ möchte mit diesem Raumkonzept ein Lebensgefühl wiedergeben, das weg vom Musealen und hin zu tatsächlich gelebter Kunst jenseits der klassischen Galerie führt.

 

Warum das alles? Aus Gründen: Nicht nur die Aussteller werden älter, auch das Publikum unterliegt dem strukturellen Alterswandel – kann man nix machen, außer natürlich ein neues Publikum aka. ‚die Jugend‘ vermehrt anzusprechen, nicht zuletzt durch kostenlosen Eintritt für Studierende.

Anleitung: Wie und warum wird man Sammler_in

Wir haben gelernt: It’s all about the feeling. Es gibt zwei verschiedene Typen von Sammler_innen: die Anleger und die Leidenschaftlichen. Auf der Art & Antik tummeln sich vor allem zweitere. Geleitet von ihrem Instinkt, ihrer Intuition oder auch einfach ihrem Budget fängt jeder einmal klein an. Dabei sind es häufig die Geschichten zu einem Objekt, die es interessant machen. Der_Die arme Student_in von Welt kann zum Beispiel ganz easy mit einem preiswerten Silberdöschen einsteigen, oder kleiner Kunst (nicht Kleinkunst) im Format 20x20cm und seine_ihre Sammlung dann sukzessive erweitern.

Unser Begleiter Helge war beispielsweise hellauf von einem japanischen Holzschnitt begeistert, Jürgen hat sich direkt in eine stimmungsvoll beleuchtete afrikanische Chokwe-Maske verliebt und Theresa würde sich gerne ertappte Tiere in ihre Wohnung hängen. Da wir einen teuren Geschmack haben, an dieser Stelle der Hinweis: Wir haben bald Geburtstag 😉

 

Wer sich nicht entscheiden kann, welches sein_ihr persönliches Lieblingsstück ist, sollte einfach mit den passionierten Aussteller_innen sprechen. Nicht nur erfährt man so tolle Geschichten rund um die Herkunft der Stücke, sondern wird im besten Fall von der Begeisterung angesteckt. Natürlich ist die Art & Antik nicht für jeden etwas, aber wer sich traut, kann so wie wir Vorurteile abbauen und für eine Stunde in eine Welt voller schöner Raritäten eintauchen. Die Erweiterung um die Masterpiece lässt uns auf das nächste Jahr gespannt sein – und bis dahin träumen wir von poliertem Silber und königlichen Broschen.

P.s.: Als kleines Highlight für Fans der ZDF-Sendung ‚Bares für Rares‘ findet sich direkt am Eingang der Messe der Stand von Susanne Steiger. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, ein Fan-Pic mit ihr zu schießen.

Theresa Langwald

Theresa Langwald

Nach ihrem Bachelorstudium in Tübingen, wanderte Theresa Langwald vorübergehend nach Frankreich aus, wo sie für den Kultursender ARTE arbeitete. Mit einer freien Mitarbeit bei der Zeitung und einer Hospitanz beim Radio komplettierte sie ihr selbstgebasteltes Mini-Volontariat. Ab und zu schreibt sie auch für den MusikBlog. Doch es sollte noch ein Masterabschluss her. "Irgendwas mit Medien UND Literatur" eingetippt, sagte die Internetsuchmaschine zu ihr: "Kulturpoetik der Literatur und Medien", ab nach Münster!
Theresa Langwald

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    Jürgen Gabel

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    Jürgen Gabel hat nach dem Bachelor der "Kulturwirtschaft" in Passau beschlossen, dass Literatur sein Ding ist und schließt gerade den Master "Kulturpoetik" in Münster ab. Er interessiert sich für Gegenwartslyrik, Unternehmenskommunikation, Italien und alle anderen schönen Dinge des Lebens.
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      › tags: Antiquität / Art / Art & Antik / Art und Antik / Art&Antik / Bares für Rares / crossover / Kunst / Living Room / Masterpiece / Messe / Münster / Sammler /

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