„Tofu ist schwules Fleisch“ – Über den Zusammenhang von Fleischkonsum und dem Konstrukt maskuliner Identität

9. Januar 2017 - 2016 / Allgemein / Maskulin*identität_en / soziotext

Unser Denken, Erleben und Urteilen, kurzum: die Art und Weise, in der wir unsere Wirklichkeit einerseits wahrnehmen und andererseits auch konstituieren, funktioniert vor allem binär. Wir strukturieren unsere Umwelt nach dichotomen Maßstäben, ordnen sie in Kategorien wie Subjekt-Objekt, Natur-Kultur, Mensch-Tier, Mann-Frau, gut-böse und dergleichen mehr ein. 1)Wirth, Sven (2012): Poststrukturalismus und Tierbefreiung. In: Theorie um Tierbefreiung. Reader zurVeranstaltungsreihe im Winter 2010/2011. Zürich: 2012. Was zunächst als eine sprach- und denkökonomische Notwendigkeit einleuchtet, ist bei genauerer Betrachtung und unter Einbezug poststrukturalistischer Analyseverfahren jedoch weitaus mehr als das: Die Ordnung der Welt in einander ausschließenden Kategorien bietet seit jeher einen willkommenen Nährboden für Diskriminierungsprozesse aller Art. Adorno und Horkheimer gehen in ihrer Dialektik der Aufklärung gar so weit, alle Barbarei ihren Ursprung nach mitunter darin zu erkennen, dass der Mensch mittels seiner instrumentellen Vernunft zwischen sich als Subjekt und seiner Außenwelt als Objekt(e) differenziert. 2)Horkheimer, Max/ Adorno, Theodor W. (2010) [1944]: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt am Main.

Erst aus dieser kategorischen Trennung entsteht die Kluft zwischen Natur und Kultur, jene wiederum wird zum Referenzpunkt der Beherrschung all dessen, was als unkultiviert gilt. Nichtmenschliche Tiere gehören dieser Logik zur Folge zum Objektiven, Natürlichen, Wilden. Um sie zu beherrschen, über sie zu verfügen und sie nach Belieben auszubeuten reicht der Verweis darauf, dass sie mangels Vernunft nicht in die positiv besetzte und mit Rechten ausgestattete Kategorie ‚Mensch‘ fallen. Tiere werden auch heute noch als Bezugsgröße und Differenzierungsmerkmal für die Bestimmung dessen herangezogen, was menschlich ist: Ihrer Naturverbundenheit, Triebhaftigkeit und Unvernunft wird die menschliche Kultur, Zivilisation und Rationalität gegenübergestellt. 3)Mütherich, Birgit (2014): Die soziale Konstruktion des Anderen. Zur soziologischen Frage nach dem Tier. In: Schmitz, Frederike (Hrsg.): Tierethik. Grundlagentexte, Berlin, S. 445 – 477; hier: S. 445ff. Was hat all das nun mit dem Verhältnis von Fleischkonsum und Maskulinität zu tun? Zunächst gilt es dieser Frage negativ nachzugehen. Vorweg gilt es folglich zu überprüfen, welchen Anteil das Mensch-Tier-Verhältnis daran hatte (und weiterhin hat), eine patriarchale Gesellschaftsstruktur zu etablieren, d.h. ein zur Unterdrückung bestimmtes Frauenbild zu schaffen. Sowohl der Natur-Kultur-Dualismus als auch die Mensch-Tier-Dichotomie haben – historisch betrachtet – Einfluss darauf genommen, das Geschlechterverhältnis hierarisch zu bestimmen. 4)Ebd., S. 465 – 472. So schreibt Birgit Mütherich:

Die Reduktion auf Naturhaftigkeit, Körper und Instinkt sowie die Unterstellung eines Mangels an Vernunft und Individualität, die im Falle der Tiere deren Versachlichung ermöglicht und die totale Herrschaft über ihre Körper und Psychen sichert, gehörte zweitausend Jahre lang auch zum Ausgrenzungs- und Unterdrückungsmuster gegenüber Frauen. 5)Ebd., S. 465.

Ausschlaggebend ist, dass die stereotype Idee des Weiblichen primär tiernahe Eigenschaften zugesprochen bekommt, die Frau wird als Kontinuität im Übergang vom Unvernünftigen, Instinktiven und (emotional) Unbeherrschten hin zur dann als Inbegriff des Männlichen geltenden Vernunft, Rationalität und Stärke begriffen. 6)Gutjahr, Julia: „Männer mögen Tiere – Am liebsten auf dem Grill!“ Überlegungen zu einer feministischen Kritik an der Mensch-Tier-Beziehung. In: Theorie um Tierbefreiung. Reader zur Veranstaltungsreihe im Winter 2010/2011. Zürich: 2012; S. 57 Mit Ludwig Feuerbach hat ein noch heute anerkannter Philosoph und Anthropologe den geschlechterbedingten Wesensunterschied zwischen Mann und Frau auf die plakative Formel „Sein ist das Weib, Denken der Mann“ 7)Zitiert nach: Freyl, Renate (Hrsg.): Sein ist das Weib, Denken der Mann. Ansichten und Äußerungen für und wider den Intelllekt der Frau von Luther bis Weininger, Darmstadt/Neuwied: 1984, S. 31. gebracht. Auch Wilhelm von Humboldt, gefeiert als Bildungsreformator seiner Zeit, war der Meinung, dass „Alles Männliche […] mehr Selbstständigkeit, alles Weibliche mehr leidende Empfänglichkeit“ 8)Zitiert nach Ebd., S. 21. zeige. Besonders deutlich sind die noch 1907 geäußerten Worte des Arztes und Psychiaters Paul Julius Möbius:

Der Instinkt nun macht das Weib tierähnlich, unselbstständig, sicher und heiter[…] Mit dieser Tierähnlichkeit hängen sehr viele weibliche Eigenschaften zusammen. Zunächst der Mangel eignen Urteils […] Wie die Tiere seit undenklichen Zeiten immer dasselbe tun, so würde auch das menschliche Geschlecht, wenn es nur Weiber gäbe, in seinem Urzustand geblieben sein. Aller Fortschritt geht vom Manne aus. 9) Möbius, Paul Julius: Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes. In: Wäckerle, Susanne (Hrsg.): Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes, München: 1990 [1905], S. 34 f.

Auf die Idee, dass auffällig viele der großen und bahnbrechenden Erfindungen, die rückblickend als technologische (zivilisatorische, ökonomische, etc.) Zäsuren betrachtet werden können, insbesondere deshalb von Männern hervorgebracht wurden, da Frauen der Weg in die Forschung systematisch verwehrt blieb, ist Möbius an dieser Stelle offenbar nicht gekommen. Oder aber er hat sie, passt sie doch einfach nicht in sein offenkundig androzentrisches Weltbild, bewusst nicht geäußert. Wenn als gesellschaftlicher Tenor jedenfalls gilt, dass über Tiere verfügt werden darf, sie also keinen oder bloß einen geringeren moralischen Status besitzen als der Mensch, dann überträgt sich diese Hierarchie (graduell) auf das Geschlechterverhältnis, sobald der Frau eine animalische Nähe unterstellt wird. Eine zufriedenstellende Rekonstruktion des Zusammenhanges von Speziesismus 10)Anhänger_Innen des Speziesismus gehen davon aus, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies von moralischer Relevanz ist und deshalb als Rechtfertigung für Ungleichbehandlungen herangezogen werden darf. Analog dazu funktionieren auch andere –ismen, wie zu Beispiel Rassismus, bei dem die Rassenzugehörigkeit moralisch aufgeladen wird. und Sexismus kann hier nicht geleistet werden, was aber als Zwischenfazit aus den bisherigen Ausführungen gezogen werden kann, ist Folgendes:

Kätzchen, Häschen, Schnecke, Mietze

Dem Menschen dient die Unterscheidung zwischen sich und allen anderen Tieren als Legitimationsgrundlage für die Ausbeutung Letzterer. Indem der Frau (historisch) tendenziell tiernahe Eigenschaften wie z.B. Irrationalität und Affektivität etc. zugewiesen wurden, 11)Anzumerken ist an dieser Stelle, dass durchaus auch Männer immer wieder mit Attributen aus dem Tierreich ausgestattet werden oder sich selbst damit ausstatten, um die stereotype maskuline Identität zu bedienen. Anders als bei Frauen, deren attestierte Nähe zum Tierlichen überwiegend negativ konnotiert ist und gezielt als Abwertungsmechanismus eingesetzt wird, sind jene Eigenschaften, die, aus dem Tierreich entlehnt, auf den Mann angewendet werden, eher positiver Natur. Zu denken sei hier an die Merkmale Stärke, Fleiß etc. wurde das Herrschaftsverhältnis zwischen Mensch und Tier implizit auf das Geschlechterverhältnis Mann-Frau übertragen. Darüber hinaus ist zumindest noch anzudeuten, dass unter den gängigen Kosenamen für Partnerinnen tierbezogene Diminutive wie Kätzchen oder Häschen keine Seltenheit sind. Sexualisiert werden auch die Begriffe Schnecke oder Mieze verwendet.

Fragt mensch sich nun, inwieweit das Mensch-Tier-Verhältnis auch aktiv eine männliche Identität konstruiert, die eben über den erwarteten Besitz all derjenigen Eigenschaften hinausgeht, die der Frau in Rekurs auf das mindergeschätzte Tier tendenziell abgesprochen werden, muss das Hauptaugenmerk auf den propagierten Fleischkonsum gelegt werden. Fleisch, so heißt es gemeinhin, ist ein Stück Lebenskraft. Ganz ungeachtet dessen, dass die Weltgesundheitsorganisation Fleisch kürzlich erst als krebserregend eingestuft hat 12)World Health Organisation (2015): International Agency for Research on Cancer. Press Release N°240. Unter: http://www.iarc.fr/en/media-centre/pr/2015/pdfs/pr240_E.pdf [Zugriff am 31.10.2016] und ein Zusammenhang zwischen vielerlei Zivilisationskrankheiten und dem Verzehr tierlicher Produkte naheliegt, ist die Sentenz:

„Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“

oder analog dazu die Alliteration:

„Milch macht müde Männer munter“

ein eindeutiges Indiz dafür, wie die männliche Identität auch mittels der Ernährung konstruiert wird. Obwohl zusehends an der Negation dieses Mythos‘ gearbeitet wird, wird Fleisch auch heute noch mit Attributen wie Kraft, Stärke und Potenz in jeglichem Sinne assoziiert. Durchaus von Bedeutung dürfte in diesem Zusammenhang außerdem die insbesondere im Kontext klassisch-konservativer Rollenverteilung verbreitete Vorstellung sein, hart und viel arbeitende Männer bedürften des Fleisches zur Rückgewinnung und Aufrechterhaltung ihrer für den Arbeitsalltag unerlässlichen physischen Leistungsfähigkeit.
Zudem übt ein Mann, der Fleisch isst, ganz im Sinne der urzeitlichen Direktive seines Geschlechtes Macht über Natur und Tier aus. Der Verzehr tierlicher Produkte ist die ultimative Beherrschung und Kontrolle fremden Lebens – bis hin zu dessen Auslöschung. Die Vorstellung, es sei besonders männlich, Fleisch zu essen, hat zu Kriegszeiten mitunter dazu geführt, dass bei Rationierungsprozessen mit absoluter Priorität Soldaten – als Inbegriff des Männlichen – mit ausreichend Fleisch versorgt wurden 13)Gutjahr: „Männer mögen Tiere – Am liebsten auf dem Grill!“, S. 64-65.. Sie als jene, die für ihr ebenfalls konstruiertes Vaterland zu kämpfen glaubten, sollten mit einem Maximum an (fremder, ausgeloschener) Lebenskraft ausgestattet werden. Auch heute, angekommen im 21. Jahrhundert, scheint die Idee, dass Fleischverzehr männlich ist, längst nicht überwunden. So essen Männer nachweislich nicht bloß deutlich mehr Fleisch als Frauen, sondern ernähren sich auch wesentlich seltener vegetarisch oder vegan 14)Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (2014): Männer essen anders. Unter:
https://www.dge.de/presse/pm/maenner-essen-anders/ [Zugriff am 31.10.2016]
. Beim Grillen steht in der Regel der Mann am Gerät, um die Kontrolle über ’sein‘ Stück Fleisch zu haben. Werbeslogans wie „Tofu ist schwules Fleisch“ oder Koch- und Lifestylemagazine wie „BEEF!“ mit explizit männlicher Zielgruppe sind außerdem Zeugnisse eines konstruierten Zusammenhanges zwischen Männlichkeit und Fleischkonsum. Im Falle des ersten Slogans wird außerdem ein Bild von Männlichkeit entworfen, das homosexuelle Männer als grundsätzlich unmännlich stigmatisiert. So entsteht neben der Idee, dass Männer, um als solche in den Augen der Öffentlichkeit zu gelten, nicht bloß fleischlüsterne Exemplare ihrer Gattung sein müssen, sondern unbedingt auch der Heteronormativität zu genügen haben. Ist der gezielte Verzicht auf Fleisch oder auf sämtliche tierliche Produkte ethisch motiviert, d.h. erfolgt er zum Beispiel aus der Absicht heraus, keinem nichtmenschlichen Tier Leiden zufügen zu wollen, so ist dies ein unverkennbares Zeichen für Empathie und Sensibilität – also durchaus für solche Eigenschaften, die, wie oben erwähnt, traditionell eher dem weiblichen Spektrum zugewiesen werden. Wer also der gemeinen Gesellschaft als männlich gelten möchte, der kommt kaum umhin, sich Fleisch reinzuschaufeln. Bei Julia Gutjahr heißt es in diesem Zusammenhang treffend:

Wer kein Fleisch zu sich nimmt bzw. aus ethischer oder politischer Motivation heraus sich dem Konsum von Produkten der Tierausbeutungsindustrie verweigert, gilt gemäß der […] dominanten Vorstellungen […] von Männlichkeit als verweichlicht, naiv und zu einer rationalen Kontrolle seiner Emotionen nicht fähig. 15)Gutjahr: „Männer mögen Tiere – Am liebsten auf dem Grill!“, S. 69.

Dasselbe gilt neben Fleisch im Übrigen auch für andere Verzehrgüter wie zum Beispiel Bier respektive Alkohol allgemein. Nicht zufällig lautet der Webeslogan der Brauerei Holsten „Auf uns, Männer.“; auf einem Plakat, das Bier trinkende Männer vor einem mit Fleisch belegten Grill zeigt, wird der Slogan noch um die Worte „Auf das Tier zum Bier“ erweitert 16)Gutjahr: „Männer mögen Tiere – Am liebsten auf dem Grill!“, S. 68. Bier, Grill und Fleisch – für die optimale Stereotypisierung des Mannes fehlen bei dieser Werbung wohl einzig noch der obligatorische Fußball und das Auto.

Fleisch und Libido

Der Irrsinn, den der konstruierte Zusammenhang zwischen Männlichkeit und Fleischkonsum in der Vergangenheit angenommen hat (und der bisweilen fortdauert), hat teils wahrhaft groteske Züge angenommen. Kaum zu glauben, aber wahr: Pädagogen des 19. und selbst noch des 20. Jahrhunderts haben für männliche Heranwachsende die Empfehlung ausgesprochen, möglichst wenig Fleisch zu essen. Was zunächst erfreulich klingt, hat jedoch einen beinahe wahnwitzigen Hintergrund. Ausschlaggebend für die Empfehlung war nämlich die Überzeugung, übermäßiger Fleischkonsum würde die Potenz und Libido der Jugendlichen derart anregen, dass die Adoleszenten im Übermaß (was auch immer das bedeuten mag) masturbieren würden. 17)Fiddes, Nick: Fleisch. Symbol der Macht, Affoltern a.A.:1993, S. 175. Doch auch heute dürfte der Mythos, Fleisch als kulinarischer Inbegriff der Männlichkeit würde zur Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit beitragen, noch nicht vollends überwunden sein – und das wird er auch nicht, solange die männliche Identität, bei dessen Aushandlung Sexualität eine entscheidende Rolle spielt, auch über den Konsum tierlicher Lebensmittel und insbesondere über den Verzehr von Fleisch definiert wird. Seinen vorläufigen Höhepunkt hat die stereotype männliche Identität im Übrigen vergangenen Sommer in Atze Schröder gefunden: Der für seinen Chauvinismus von einem Millionenpublikum gefeierte Vertreter deutscher Unterhaltungskultur ist gleichzeitig auch Werbemarionette für einen bekannten Fleischproduzenten, für den er im Juli mit den Worten „Seid ihr bereit für die größte Wurst des Sommers? Hier ist dat Dingen. Danach müssen Gina und Lisa erstmal in die Traumatherapie“ warb. Die Abscheulichkeit des besagten Werbespottes hat – mensch darf überrascht sein – tatsächlich vielerlei Kritik auf sich gezogen und wurde von den Verantwortlichen kurz darauf zurückgezogen. Es gibt sie also doch noch: sexistische Tabubrüche.

Kaum zu glauben in einer Gesellschaft, in der zurzeit eine Partei im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Vormarsch ist, die das bisschen Emanzipation der letzten Jahrzehnte auf schnellstem Wege wieder rückgängig machen möchte. Im entsprechenden Parteiprogramm, letztlich einem Pamphlet für Rückschrittlichkeit und mit abenteuerlichen Ansichten über dasjenige, was eine sogenannte deutsche Leitkultur ausmachen soll, wird entschieden gegen eine aufoktroyierte „Gender-Ideologie“ gewettert, die die „naturgegebene[n] Unterschiede zwischen den Geschlechtern [aufhebt] und […] damit traditionellen Wertvorstellungen und spezifischen Geschlechterrollen in den Familien entgegen[wirkt]“. 18)AfD (2016): Programm für Deutschland. Das Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland, Stuttgart, S. 55; unter: https://www.alternativefuer.de/wp-content/uploads/sites/7/2016/05/2016-06-27_afd-grundsatzprogramm_web-version.pdf [Zugriff am 27.11.2016] Angesichts solcher Tendenzen verwundert es nicht, dass auch an der stereotypen Männlichkeit, deren wesentlicher Bestandteil eben auch der Fleischkonsum ist, nicht wirklich gekratzt, sondern diese vielmehr manifestiert wird. Es scheint in der Tat so, als sei die althergebrachte Vorstellung des Mannes als Jäger und roher Verstandesmensch nicht bloß nicht überwunden, sondern wieder besonders populär und zeitgemäß modelliert. So ist aus der Jagd mit Pfeil und Bogen der Gang in die Fleischtheke des Supermarktes geworden. Die Feuerstelle des 21. Jahrhunderts ist der Grill und das Fußballstadion gewissermaßen der Ort, an dem alles kulminiert. Versteht mich nicht falsch, aber wäre der Mann tatsächlich so vernunfts- und verstandesbegabt, wie er zur Erschaffung und Aufrechterhaltung des Patriarchats stets vorgegeben hat zu sein, hätte er längst die Borniertheit seiner Stereotype erkannt und sich aus ihnen befreit. Stattdessen aber bewegt er sich weiter in Bahnen, die sich längst als Kreis erwiesen haben.

Kevin Pottmeier

Kevin Pottmeier

Kevin Pottmeier ist Tierrechtsaktivist beim örtlichen Kollektiv 'Tierrechtstreff Münster', das sich für die Befreiung der nichtmenschlichen Tiere aus den Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnissen unserer tierproduktkonsumierenden Gesellschaft einsetzt. Darüber hinaus ist er auch in anderen emanzipatorischen Zusammenhängen aktiv, da „sich Menschenrechte und Tierrechte nicht voneinander trennen, sie sich nicht ohne einander denken lassen.“
Kevin Pottmeier

› tags: Fleisch / Fleischkonsum / Geschlechterrollen / Grill / Identität / Mann / Männer / Männlichkeit / Maskulin*identität_en / Rollenbilder / Schwul / Stereotyp / Tiere / Tofu / Vegan / Veganismus / Vegetarier_in / vegetarisch / Vegetarismus /

Comments

  1. Michael Knight sagt:

    Großartiger Artikel, auch wenn das Thema nicht gerade erheitert. Finde deine Argumentationsstruktur nachvollziehbar und schlüssig.

    Auf dass „wir Männer“ uns befreien mögen!

  2. […] Männer’ für ‘das Fleisch’ lenken. Dieses Klischee greift auch Kevin Pottmeier auf, wenn er Tofu als ‘das schwule Fleisch’ auf’s Korn […]

  3. RS sagt:

    Ich schließe mich an: großartiger Artikel, der vielen männlichen (&weiblichen) Fleischessern zu denken geben sollte.
    „Die Idee, dass manche Leben weniger wert sind, ist die Wurzel allen Übels auf dieser Welt“ (Paul Farmer)

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