(M)Othering: Was Frauen* ausmacht. Mütter und Frauen in The Handmaid’s Tale und in unserer Welt.

10. Dezember 2018 - 2018 / Allgemein / bildtext / Deine Mudda / Deine Mutter / soziotext / texttext

Mother, […] you wanted a women’s culture, Well, now there is one. It isn’t what you meant, but it exists.1)Atwood, Margaret. The Handmaid’s Tale. 1985. New York: Anchor, 1998. S.127

Die einzigartige Verbindung, die nur eine „Mutter“ zu ihrem Kind haben könne, ist mythisch überhöht, aber faktisch nicht beweisbar. Doch täglich um uns herum wird sowohl kulturell als auch politisch diese mythische „Mutterschaft“ zelebriert. Gleichzeitig wird die Frau*2)Die Schreibweise Frau* soll entgegen dem binären Geschlechterverständnis von Mann – Frau darauf hinweisen, dass Geschlechteridentität in einem Spektrum zu verorten ist. Es schließt alle als Frau* gelesene und somit ähnliche Diskriminierungserfahrung machende Personen ein. Wenn in diesem Beitrag von „Frauen“ gesprochen wird, soll darauf hingewiesen werden, dass in The Handmaid’s Tale ebensolche Gruppen diskursbestimmend sind, die Geschlechteridentität strikt binär verstehen und aufgrund ihrer Deutungshoheit Menschen so einem Geschlecht zuweisen. von dieser biologischen Disposition bestimmt: Ihre Reproduktionsorgane nehmen scheinbar absoluten Einfluss auf ihre Gemütsverfassung, ihr Urteilsvermögen – auf ihre gesamte Glaubwürdigkeit. Historisch gesehen ist die Rolle „Mutter“ neben der Existenz als Vermögensgegenstand die wichtigste Funktion, die eine Frau* ausüben kann. Durch sie* wurden schließlich in adeligen Kreisen Dynastien durch Heirat zusammen- und mit der Zeugung eines männlichen Erbens weitergeführt. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich mehr und mehr der heute noch geltende „Müttermythos“, der eng mit der Trennung von privater und öffentlicher Sphäre und der damit einhergehenden Zuspitzung der Verknüpfung „Frau=Mutter“ verwoben war. Entlarvt und thematisiert wird das immer noch virulente Ideal der nährenden und schützenden Mutter, die intuitiv weiß, was ihr Kind braucht, heute erstaunlicherweise nur in Pressetexten zu Gewalttaten von Müttern an Kindern.

Wie dieses implizite Verständnis in dystopisch und auf die Spitze getrieben aussehen kann, zeigte schon Mitte der 1980er Jahre Margaret Atwood in The Handmaid’s Tale (Der Report der Magd). Im totalitären Regime Gilead (ehemals die USA) werden Frauen anhand ihres Fruchtbarkeitsstatus kategorisiert. Diese Maßnahme ist zum einen aus der christlich-fundamentalistischen Ausbildung des Regimes begründet, zum anderen ist dies eine Antwort auf die astronomisch niedrigen Geburtenraten des Landes. Die biblische Erzählung von der unfruchtbaren Sarah, die ihrem Mann Abraham eine ihrer Sklavinnen zur Kinderzeugung zur Verfügung stellte, dient als ideologische Rechtfertigung für eine ganz neue Unterdrückung von Frauen*. Die Handmaids gelten als noch gebärfähige Frauen*. Gleich Sarahs Sklavinnen sollen sie als Zwangsleihmütter*, oder eher als Brutkästen, für die herrschende Klasse dienen. Dazu werden die Handmaids regelmäßig rituell von den Männern der herrschenden Klasse (Commanders) vergewaltigt. Atwood gibt uns einen Einblick in das Leben einer Handmaid in seiner ganzen Trostlosigkeit als Gefangene* eines Regimes, in der ihr jede Subjektivität abgesprochen und ihre Objektifizierung in einer solchen Perfektion vollzogen wurde, dass es ein Wunder ist, dass die Erzählerin* ihre Menschlichkeit und Identität bewahren konnte. Dabei legte die Schriftstellerin* Wert darauf, dass alles, was in dem Roman verarbeitet wurde, auch wirklich „irgendwann mal von Menschen getan wurde.“3)Atwood im Interview mit dem Guardian. Online abrufbar unter: https://www.theguardian.com/books/2017/feb/11/margaret-atwood-handmaids-tale-sales-trump [29.08.2018]

Im letzten Jahr hat die Erzählung ein Revival erfahren und wurde für das Videoportal Hulu verfilmt. Die Serie gewann daraufhin mehrere Emmy Awards und Golden Globes und wurde auch in US-feministischen* Protestbewegungen rezipiert: Das charakteristische Gewand aus roter Robe und weißer Haube, dass die fruchtbaren Frauen* als Zeichen ihres Status in The Handmaid’s Tale tragen müssen, eignete sich die Bewegung kurzerhand als Kleidung für den stillen Protest gegen Abtreibungsverbote an. Das Gedankenexperiment, inwiefern Frau*-Sein auf Mutter*schaft und Reproduktionsfähigkeit im gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Bereich aufgrund unserer impliziten „Müttermythen” reduziert wird, erfährt also in der Öffentlichkeit wieder größere Beachtung. Dieser Beitrag widmet sich der Darstellung von Mutter*schaft und so auch Frau*-Sein in dem Roman The Handmaid’s Tale, der uns mit einem Vergrößerungsglas unser Verständnis von Weiblichkeit*, aber auch Widersprüche und subversive Elemente in dessen Konstruktion aufzeigt.

Das Kernelement, das zum „Mutter-Sein“ dazu gehört und zelebriert wird, ist der Moment der Geburt. Man (bzw. „frau“) wird schließlich „Mutter“, im ganz wörtlichen Sinne. Durch die Trennung von gebärenden und aufziehenden Frauen* in Handmaids and Wives ist aber diese geläufige Schlussfolgerung in The Handmaid’s Tale nicht mehr gültig.

Die feministische* Philosophin* Sara Ruddick4)Ruddick, Sara. „Thinking Mothers/Conceiving Birth.“ In Bassin, Donna, Margaret Honey, and Meryle Mahrer Kaplan (Hrsg.): Representations of Motherhood. New Haven: Yale UP, 1994. S. 241-255. sieht in der Trennung vom Geburtsmoment und dem „Mutter-Werden“ großes Potential, Mutter*schaft eben nicht mehr ideologisch mit den bekannten „Müttermythen“ aufzuladen. Sie identifiziert Mothering als eine Form von Sorgearbeit, die mit aufziehenden Tätigkeiten verbunden ist. So wird Mutter*schaft von einer passiven zeitlosen Zuschreibung im Mothering zu einer aktiven Praxis, die von jeder*m ausgeübt werden kann, anstelle eines essentialistisch identitätsstiftenden Faktums, das Frauen* qua ihrer Biologie inhärent sei und mit der Befruchtung der Eizelle beginnt.

Die Handmaids fungieren im Gegensatz zu den „moralischen Müttern“, den Wives, allerdings als bloße Gebärmaschinen. Ruddicks Ansatz, dass Mutter*schaft als Praxis aber auch die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, frei sein sollte, wird so unterlaufen: Die Handmaids haben keine Handlungsmacht bei der Aufgabe ihrer Kinder. Sie haben auch keine wirkliche Wahl, ob sie Handmaids werden wollen – die Alternative wäre der sichere Tod. Sie* würden abgeschoben in die sogenannten „Kolonien“, Gebiete, die von Atommüll verseucht sind. Die Handmaids müssen sich entscheiden, ob sie* sterben wollen oder ihr* Leben gänzlich der Reproduktion widmen. Auch hier hallt Atwoods Gedanke, dass alle Dinge in The Handmaid’s Tale irgendwo so ähnlich schon mal passiert sind nach.  So wird und wurde Frauen* historisch wie auch in unserem Alltagsverständnis die Verantwortung für Reproduktion und den damit zusammenhängenden Entscheidungen wie Schutz vor ungewollten Schwangerschaften zugesprochen.

Die völlige Reduktion der Handmaids auf ihre reproduktiven Funktionen erfolgt in weiteren Maßnahmen: Sie werden auf einer ganz wörtlichen Ebene zu Besitztümern erklärt. Ihre Namen vor der Machtergreifung des Gilead’schen Regime müssen abgelegt und durch eine Kombination von „Of“ plus den Namen „ihres“ Commanders ersetzt werden. So wird die namenlose Erzählerin* nun zu Offred: Of Fred. Die Frauen* sind im wahrsten Sinne des Wortes Attribute, totale Objekte, „Container“ und werden auch als solche behandelt.

Das „Frau-Sein“ und somit auch die bloße Existenz ist an die Gebärfähigkeit geknüpft: Unfruchtbare „Frauen“ werden zu Un-Women erklärt und von der Gesellschaft ausgeschlossen. Die unsichtbare Bedrohung der Unfruchtbarkeit, die die „Frauen“ regelrecht beflecken könnte, „dirty as an oily beach, sure death to shore birds and unborn babies”5) Atwood, Margaret. The Handmaid’s Tale. 1985. New York: Anchor, 1998. S. 124, schwebt über allem. “Maybe a vulture would die of eating you. Maybe you light up in the dark, like an old-fashioned watch. Deathwatch. That’s a kind of beetle, it buries carrion.”6)ebd.) Die passive „Frau“, in patriarchalen Kontexten oft als fruchtbare Landschaft gezeichnet, kann plötzlich den Tod bringen – nicht nur für das Ungeborene, sondern auch für sich selbst, wenn „ihr“ Makel entdeckt wird. „Sie“ ist potentielles Ungeziefer. Neugeborene mit Geburtsfehlern werden gleichermaßen als Unbabies deklariert, der diskursiven Negation folgt die reelle Verstoßung. Angesichts einer bald anstehenden Geburt in der Nachbarschaft fragt sich die Erzählerin*:

“What will Ofwarren give birth to? A baby, as we all hope? Or something else, an Unbaby, with a pinhead or a snout like a dog’s, or two bodies, or a hole in its heart or no arms, or webbed hands and feet?”7)ebd.

Die animalischen Unbabies können nichts Menschliches in sich tragen. Und wenn die Handmaids so etwas Unmenschliches gebären, sind ihre* befleckten, schmutzigen Körper Schuld – und verwirken ihrerseits ihr* Recht auf Leben.

Diese Verschränkung von Gebärfähigkeit und „Frau-Sein“ und ihre Konsequenzen über Leben und Tod führen essentialistische Argumente – wie die vermeintlich natürliche Verknüpfung von „Frau-Sein“ und „Mutter-Sein“ – zu ihrem konsequenten Ende. Körperliche Voraussetzungen im ikonischen Bild der Schwangeren* werden als absolutes, identitätsdefinierendes Element glorifiziert. Dieser allumfassende Zwang wird besonders in den alltäglichen Gedanken der Erzählerin* deutlich: Sie* lebt, atmet, ist durchtränkt von diesem Diktum und ihre Assoziationen verbinden sich scheinbar unbewusst fast ausschließlich durch Schwangerschaft- und Geburtsmetaphern. Darüber hinaus soll die Verteufelung pornographischer Objektifizierung von Frauen*(körpern) in der „früheren“ postkapitalistischen, neoliberalen Welt in den Umerziehungsanstalten in Gilead im Kontrast dazu dienen, die biologistische Objektifizierung der gileadinischen Frauen* zu verdecken und zu rechtfertigen.

Die psychoanalytische Feministin* Adria Schwartz laudiert8)Schwartz, Adria. „Taking the Nature Out of Mother.“ In Bassin, Donna, Margaret Honey, and Meryle Mahrer Kaplan (Hrsg.): Representations of Motherhood. New Haven: Yale UP, 1994. S. 241-255. deshalb Atwoods Überlegungen, die zeigen können, wie eine Annahme durch ihre radikale Weiterentwicklung pervertiert werde. Doch nicht nur latente Alltagsüberzeugungen werden hier bloßgestellt. Feministisch*-materialistischen Positionen, die sich an essentialistischen Argumenten aus eigentlich patriarchalen Frauen*bildern aufziehen, wird hier gleichermaßen ein Warnschild vorgesetzt. In The Handmaid‘s Tale wird Frauen* dieses Pars-Pro-Toto-Denken nämlich endgültig zum Verhängnis. Selbstständige Subjektkonstruktion ist unmöglich, die „Auslöschung eigener Subjektivität“9)ebd. S. 247 ist unvermeidlich. So betet die Erzählerin ironisch-verzweifelt zu einem weiblichen* Gott: “Mother, […] you wanted a women’s culture, Well, now there is one. It isn’t what you meant, but it exists.”10) Atwood, Margaret. The Handmaid’s Tale. 1985. New York: Anchor, 1998. S. 127

Dabei ist zu beachten, dass The Handmaid’s Tale nicht die Frage, inwiefern unterschiedliche biologische Dispositionen zu unterschiedlichen Lebenserfahrungen führen können, lösen möchte. Aber es wird nochmals verdeutlicht, dass in absoluten Termini über Identität(szuweisungen) zu sprechen ein restriktiver und zu kurz gedachter Ansatz ist.

Doch nicht nur die ausgenutzten und identitätsberaubten Handmaids werden vollständig auf das „Mutter-Sein“ reduziert. Gileadinische Frauen* sind in allen sozialen Klassen durch ihr Verhältnis zur Mutter*schaft bestimmt11)Schwartz, Adria. „Taking the Nature Out of Mother.“ In Bassin, Donna, Margaret Honey, and Meryle Mahrer Kaplan (Hrsg.): Representations of Motherhood. New Haven: Yale UP, 1994. S. 248. Ein spannender Fall, der ebenfalls den widersprüchlichen Charakter der gileadinischen Ideologie aufzeigt, sind die Marthas, die Haushälterinnen*. Als unfruchtbare Frauen* sind sie eben nicht in den tödlichen Kolonien gelandet, sondern verrichten – wahrscheinlich gerettet durch ihre Kenntnisse in weiblich* konnotierter Sorgearbeit – „Frauenarbeit” im Haushalt der Commanders. Von der tödlichen Zwangsarbeit ebenso verschont worden sind die Aunts, die ideologischen Umerzieherinnen*der Handmaids. So wird deutlich, dass sich „Müttermythen” und die damit verbundenen Frauen*bilder verselbstständigt haben: Nicht-Mutter*-Sein bedeutet eigentlich Tod, doch sind im Falle der Marthas einige Aufgaben in der Gesellschaft einfach „Frauenaufgaben”, die nicht von Männern erledigt werden können und sollen. Die Aunts wiederum übernehmen wortwörtlich in der „Umerziehung” wiederum mütterliche*, und somit auch „Frauenaufgaben”. Diese Beispiele könnten durchaus als Form von Mothering gelesen werden, was die Widersprüchlichkeit des gileadinischen Regimes nochmals hervorhebt.. The Handmaid’s Tale schafft es durch die Aufsplittung in biologische und „moralische“ Mütter gleichzeitig die Tendenzen patriarchaler Mutterschaftskonstruktion radikal zu Ende zu denken und ebenso diese zu entlarven. Die Wives werden als natürliche, „wahre“, eigentliche „Mütter“ gezeichnet, die alle klassischen Attribute von „Mütterschaftsmythen“ vereinen. Dies steht jedoch im krassen Widerspruch zum Diktum, dass Unfruchtbarkeit Frauen* zu unmenschlichem, giftigen Ungeziefer macht. Im Gegenteil: Eine Handmaid zu „haben“ (so aber gleichzeitig Unfruchtbarkeit zuzugeben) gilt als Privileg. Sie* werden also gleichzeitig auf ihre* biologischen Funktionen reduziert, die sie* nach diesem Verständnis irgendwie doch zu Müttern* machen, aber können diesen Anspruch ebenso nicht erfüllen. Trotzdem werden sie* nicht gestraft, wie die Klasse der Handmaids, sondern mit abstrusen Praktiken als Mütter* legitimiert.

Ein Geburtsritual soll diesem Widerspruch entgegenwirken, das ihn aber nur noch deutlicher hervorhebt. Bei dem Ereignis „Geburt“ wird versucht die Kollektividentitäten der Wives und Handmaids zu vermischen. Geburten sind in Gilead aufgrund sinkender Raten ein richtiges Event, das ideologisch ausgeschlachtet wird. Die lokale Bezugsgruppe von Handmaids und Wives kommt im Haus der gebärenden Handmaid zusammen. Geburt ist (wieder) mystische Frauensache – Männer sind nur im äußersten Notfall erlaubt. Technische Hilfsmittel werden ebenfalls als unnatürlich gesehen: Gebärende in Krankenhäusern vor Gildead werden als “broken robot[s]” with “electrodes coming out of her every which way”12) Atwood, Margaret. The Handmaid’s Tale. 1985. New York: Anchor, 1998. S. 117 erinnert. Eine neue Natürlichkeit solche die frühere „Künstlichkeit“ der Geburten ersetzen. Kaiserschnitte, weheneinleitende Medikamente und Schmerzmittel dürfen nicht mehr benutzt werden. Frauen* sollen schließlich ganz nach Gottes Vorstellungen bei der Geburt Schmerzen leiden, um nach gileadinischen gottestreuen Ansichten die Chancen auf ein gesundes Kind zu erhöhen.

Die Erzählerin* nimmt an einer Geburt in ihrer Nachbarschaft teil, eine ihr bekannt vorkommende Frau*, die vor der Machtübernahme „Janine“ hieß, liegt in den Wehen. Die Handmaids kümmern sich um die gebärende Janine und die Wives um die als ebenso „gebärend” angesehen Wife. Beiden wird gleichermaßen der Bauch massiert, sie werden beide in rhythmischen Atemübungen angeleitet, die eine Trance-ähnliche Atmosphäre schaffen. Beim Akt der Geburt benützen beide Frauen* eine spezielle Variation eines Geburtsstuhls, bei dem die Wife über ihrer Handmaid in gebärender Haltung positioniert ist.

Die Erzählerin* berichtet von einer kollektiven Identitätsverschmelzung in dieser „Orgie“: “We grip each other’s hands, we are no longer single.”13) ebd. S. 124 Sie* verschmelzen auch auf einer erzählerischen Ebene, die Perspektive der Erzählerin* wechselt vom „Ich“ zum „Wir“. Sie*, wie alle anderen, fühlt Phantomwehen. Schließlich sei es “hard work, you’re supposed to concentrate.”((ebd.

Die Idealisierung und Ritualisierung einer Geburt dient damit nicht nur der symbolischen Teilhabe der Handmaids am „Mutterschaftsstatus“, der ihnen später verwehrt wird. Gleichzeitig wird durch die vermeintliche, auf den Moment beschränkte Identitätsfusion der zwei Klassen versucht, die soziale Ordnung Gileads zu stabilisieren und zu rechtfertigen. So wird aber gleichzeitig die Idee einer die Zeit, Ort und Person transzendierenden „Mutterschaft“ sabotiert und die wirkliche gesellschaftliche, also patriarchale Ordnung offenbart. Der „Muttermythos“ und damit einhergehende biologistische Argumentation kann also je nach Nutzen zugeschnitten werden. Dieser Widerspruch führt aber nicht zur Auflösung des Diktums von „Frau“ als „Mutter“. Im Gegenteil: Sie zeigen schlussendlich nur noch auf perfidere Weise auf, dass es in unserer von patriarchalen Strukturen vorgeformten Welt kein Entrinnen vor dem Paradigma „Frau=Mutter“ gibt und je nach sozialem Status dieses für verschiedene Zwecke instrumentalisiert werden kann

Literatur

Atwood, Margaret. The Handmaid’s Tale. 1985. New York: Anchor, 1998.

Bassin, Donna, Margaret Honey, and Meryle Mahrer Kaplan, eds. Representations of Motherhood. New Haven: Yale UP, 1994. Print.

Ruddick, Sara. „Thinking Mothers/Conceiving Birth.“ In Bassin, Donna, Margaret Honey, and Meryle Mahrer Kaplan (Hrsg.): Representations of Motherhood. New Haven: Yale UP, 1994. S. 241-255.

Schwartz, Adria. „Taking the Nature Out of Mother.“ In Bassin, Donna, Margaret Honey, and Meryle Mahrer Kaplan (Hrsg.): Representations of Motherhood. New Haven: Yale UP, 1994. S. 241-255.

Elisabeth Zimmermann

Elisabeth Zimmermann

Elisabeth Zimmermann, mittlerweile angehende Kulturpoetin*, studierte Anglistik/Amerikanistik und Soziologie an der WWU und schloss ihren* Bachelor im Sommer 2018 mit der Arbeit „Das Private ist Öffentlich: Doing Gender in entgrenzten digitalen (Arbeits)Räumen“ ab. Sie* vertreibt sich außerdem die Zeit mit diversen feministischen* Projekten und bemutterte unter anderem vor Kurzem eine studentische Konferenz zu Gender in Popkultur.
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