Call for Articles: Neue deutschsprachige Popmusik – alles nur (Neo-)Schlager?

24. August 2017 - 2017 / Allgemein / soziotext / tontext

* * * NEUE DEADLINE: 10. Oktober 2017 * * *

Unbestritten ist deutschsprachige Popmusik in den letzten Jahren auf dem Vormarsch. Jedes Jahr tauchen neue Interpret_innen auf, andere – wie beispielsweise Sarah Connor – wechselten für ihr neues Album vom Englischen ins Deutsche. Auch oder gerade der deutsche Schlager mit seiner Speerspitze Helene Fischer ist Anstoß, Träger und gleichzeitig Nutznießer dieser Entwicklung. Doch im Gegensatz zu den diesem Genre eindeutig zugeordneten Künstler_innen scheint die Kategorisierung der jungen deutschsprachigen Popmusik schwieriger.

Der Satiriker Jan Böhmermann nennt sie in seiner Rubrik Eier aus Stahl „die neuen deutschen Pop-Poeten“ und macht keinen Hehl daraus, dass er von ihnen nichts hält. Er wirft ihnen vor, „seelenlose Kommerzkacke“ zu produzieren, quasi „Industriemusik“ par excellence. Der Unterschied zum Schlager sei nur noch marginal.1)https://www.youtube.com/watch?v=nFfu2xDJyVs Doch ist es so einfach?

Schlager wird als Synonym für eingängige Unterhaltungsmusik mit deutschen Texten verwendet, ist ein auf sofortigen kommerziellen Erfolg gemachtes Lied.2)Rainer Moritz, Der Schlager, in: Etienne Francois – Hagen Schulze (Hrsg.), Deutsche Erinnerungsorte III, München 2001, 201-218, hier: 203. Er spricht „offenkundig Sehnsüchte, Wünsche und Bewußtseinslagen an und aus, […] erlaub[t] […] spontane Identifikationen“.3)Ebd. Der Philosoph Theodor W. Adorno denkt den Schlager als „eine sozialpsychologische Versuchsanordnung, Schema und Auslöser möglicher Projektionen, Triebregungen und behaviours“.4)Theodor W. Adorno, Einleitung in die Musiksoziologie. Zwölf theoretische Vorlesungen, Frankfurt am Main 1962, 47. Aber der Schlager schafft es auch, sich unterschiedlichen musikalischen Epochen anzupassen − er ist „die Klangform des jeweils dominanten Lebensgefühls, in der zusammenläuft, was die Zeit hierfür an musikalischen Materialien bereithält“.5)Peter Wicke, „Wenn der Zeitgeist singt“. Warum Schlager klingen, wie sie klingen, in: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), Melodien für Millionen. Das Jahrhundert des Schlagers, Bielefeld – Leipzig 2008, 15-21, hier: 17.

Auf Helene Fischer, Wolfgang Petry, Heino oder Andrea Berg als Schlagersänger_innen können sich alle einigen. Aber was ist mit Max Giesinger? Mit Andreas Bourani und Silbermond? Oder Wincent Weiss und Tim Bendzko? Sind die Toten Hosen eigentlich noch Punk? Und Frida Gold, Glasperlenspiel? Fällt Dagobert aus dieser Reihe raus? Und wenn ja, warum? Unterscheidet sich die Musik der “deutschen Pop-Poeten” überhaupt vom (klassischen) Schlager − sofern es diesen denn gibt? Diese neue Welle von deutschsprachiger Popmusik scheint schwer fassbar. Mit was haben wir es hier überhaupt zu tun? Wie lassen sich diese Künstler_innen beschreiben, fassbar machen? Welcher Verfahren bedienen sich ihre Texte, ihre Musik? Was macht diese Musik so erfolgreich?

Diesen und anderen Fragen will dieses Projekt auf den Grund gehen. Wir suchen Texte von interessierten Nachwuchsautor_innen, die sich im Rahmen von maximal 2.500 Wörtern auf wissenschaftlicher bzw. essayistischer Basis mit dem Thema auseinandersetzen. Die Artikelreihe wird nach der Schlagertagung, welche vom 09.-11.10. in Münster stattfindet (Achtung: highly recommended!!), auf dem Blog kulturproleten.de erscheinen. Wir freuen uns über Texteinsendungen an kulturproleten[ät]gmail.com.

Hendrik Günther

Hendrik Günther

Hendrik Günther studiert Kulturpoetik der Literatur und Medien, arbeitet im Pop-Archiv am Lehrstuhl von Moritz Baßler, verkauft (und trinkt) Bier im Braukunstwerk und schaut während er Texte schreibt am liebsten "Chef's Table".
Hendrik Günther

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