Rap im Clownskostüm und Altersängste auf Fatonis neuer Platte

28. April 2017 - 2017 / tontext

„Ihr habt lang genug nicht gewartet, dass ein Mixtape erscheint“1) Fatoni. „Wie ein Dschungel“. Von Fatoni; DJ V.Raeter. Im Modus. Fatoni, 2017. LP. – ja, erwischt, haben wir wirklich nicht drauf gewartet. Nachdem der Münchner Rapper Fatoni erst vor gut anderthalb Jahren (gefühlt vor ein paar Monaten) mit „Yo, Picasso“ eine richtige Marke setzte, hatte noch niemand so richtig auf dem Schirm, dass bald Nachwuchs kommen könnte. Und so ein richtiges, neues Baby ist das im März erschienene „Im Modus“ ja auch nicht, denn es ist kein Album mit rotem Pinselstrich aka Faden wie bei „Yo, Picasso“, sondern eher ein farbenfrohes Gekleckse, ein MIXtape eben.

Das spiegelt sich auch im musikalischen Stil-Gemisch wieder, der die Genres wechselt wie der Ping-Pong-Ball die Platte.2) Fatoni. „Wie ein Dschungel“. Von Fatoni; DJ V.Raeter. Im Modus. Fatoni, 2017. LP. Sogar Live-Liedermaching mit der Akustik-Gitarre ist dabei – und das in Form eines der witzigsten Songs der Platte.3) Fatoni. „Lassensiemichkünstlerichbindurch“. Im Modus. Fatoni, 2017. LP.

Mit „im Modus“ sind Fatonis alte Homies Juse Ju, Edgar Wasser, Dexter und V.Raeter (u.a.). „Alt“ ist böse, denn mit ihren Ü30 sind die Jungs eigentlich alle im „besten Lebensabschnitt“, ihr wisst schon. Sie verdienen jetzt auch „ganz ok, so wie ein Angestellter (ganz ok)“.4) Fatoni. „Das ist alles Kunst“. Von Fatoni; Dexter. Im Modus. Fatoni, 2017. LP. Oder?

Damit sind wir bei einem der großen Themen auf „Im Modus“: das zunehmende Alter und auch Zukunfts- und Perspektivängste die damit einhergehen. Maeckes, der den Song „Fast so wie beim Wu-Tang Clan“ featured wünscht sich sogar, „man sollte eine Agentur gründen / Die die Karrieren von Rappern jedes Halbjahr überprüft“.5) Fatoni. „Fast so wie beim Wu-Tang Clan“. Von Fatoni; Maeckes. Im Modus. Fatoni, 2017. LP. Denn obwohl man es kaum glauben mag, auch Rapper_innen werden älter und müssen sich – ähnlich wie Studierende der Geisteswissenschaften – allen Ernstes fragen: Was tun, „[w]enn man nichts gelernt hat, nur Rappen kann“? Wie dann „in die Rentenversicherung einzahlen“?6) Fatoni. „Fast so wie beim Wu-Tang Clan“. Von Fatoni; Maeckes. Im Modus. Fatoni, 2017. LP. Und hoffentlich geht dieses Snapchat bald wieder vorbei.7) Fatoni. „DA.YO.NE ~“. Von Fatoni; Juse Ju; Edgar Wasser. Im Modus. Fatoni, 2017. LP.

Fatoni und Co. nehmen es mit Humor. Sarkasmus, (Selbst)Ironie und Witz waren schon immer ihre unschlagbarste Waffe. Man könnte fast von dem albernsten Erwachsenen-Rap seit es Jon LaJoie gibt sprechen. Ich sage nur: „Ich komm‘ in die Booth wie ein Mikrofonständer / Haha Ständer! (Haha)“.8) Fatoni. „Das ist alles Kunst“. Von Fatoni; Dexter. Im Modus. Fatoni, 2017. LP. Aber auch schon bei Jon LaJoie blitzte hinter „genitals“ und „guns“ waschechte Gesellschaftskritik durch und so ist es auch bei Fatoni. Auf „Im Modus“ kriegt jeder ein bisschen was auf die Mütze: die Cloudrap-Szene um Haiyti, Crack Ignaz und Yung hurn9) z.B. in den Songs „Echt“, „Gravitationswellen“, „Modus“ , Raoper à la Youngsters wie Cro10) z.B. in „Narkolepsie“ , die neuen DeutschPoet_innen angeführt von „Kevin Bourani11) z.B. in „Narkolepsie“ , die Nörgler_innen der Wohlstandsgesellschaft12) z.B. in „Suicide Tuesday“ , das Rapper-Leben und das Big Business sowieso: „Die Musikindustrie ist mindestens so behindert wie ihr Ruf“13) z.B. in „Narkolepsie“ .

Der Eindruck, das Mixtape versammle spontane Tracks, die irgendwann zwischendurch entstanden sind, täuscht vermutlich nicht einmal. Und dabei haben sich, trotz guter Ideen, auch wenige schwächere Songs auf die Platte gekleckst. Aber es kann nunmal nicht immer alles Gold sein, was mit Clownsnase daherkommt. Lustig hingegen schon. „Im Modus“ ist mit seinem typischen Fatoni-Witz wie immer naise anzuhören und befeuert auf jeden Fall die Vorfreude auf das richtige neue Baby.

 

*Das Beitragsbild stammt aus dem Musikvideo zu „Narkolepsie“.

Theresa Langwald

Theresa Langwald

Nach ihrem Bachelorstudium in Tübingen, wanderte Theresa Langwald vorübergehend nach Frankreich aus, wo sie für den Kultursender ARTE arbeitete. Mit einer freien Mitarbeit bei der Zeitung und einer Hospitanz beim Radio komplettierte sie ihr selbstgebasteltes Mini-Volontariat. Ab und zu schreibt sie auch für den MusikBlog. Doch es sollte noch ein Masterabschluss her. "Irgendwas mit Medien UND Literatur" eingetippt, sagte die Internetsuchmaschine zu ihr: "Kulturpoetik der Literatur und Medien", ab nach Münster!
Theresa Langwald

› tags: Altersängste / Dexter / Edgar Wasser / Fatoni / Im Modus / Ironie / Juse Ju / Mixtape / Sarkasmus / V.Raeter /

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