Why Generation Y?! – Eine Be-Werbung

23. Oktober 2015 - soziotext

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Arbeit bei Ihnen stellt für uns eine Möglichkeit dar, viele unserer Interessen und bisherigen Ausbildungsschwerpunkte zu vereinen und somit mit maximaler Effizienz zu dem Erfolg Ihres Unternehmens beizutragen. Wir, die Generation Y, wurden nach 1980 geboren, Entschuldigung, nach 1985, oder noch genauer zwischen 1977 und 1998 und kennen somit nichts anderes als die Krise: Weltwirtschaftskrise, Kuba-Krise und zahlreiche Kriege – unser Leben ist geprägt von Unsicherheit! Wir lassen uns deshalb auch besonders gerne auf befristete Verträge und das fünfte Praktikum ein. Ein Volontariat? Ein Traum! Das Erlangen der Hochschulreife und das darauf aufbauende Studium befähigen uns zu einer reflektierten Wahrnehmung unserer Umwelt und zu einer Suche nach dem Sinn des Lebens, die uns alles andere vergessen lässt, insbesondere die Materialität des Lebens.

Als Net-Generation aus dem Neuland bringen wir den erforderten Umgang mit den MS-Office Programmen sowie fortgeschrittenes Computerwissen mit. Als Digital Natives sind wir weiterhin optimal vernetzt und mit Social Media seit dem Kindesalter vertraut. Ein bisschen was mit Medien können wir deshalb alle. Weitere Skills (= Fähigkeiten), die wir in die Arbeit des Teams einbringen werden, sind Fleiß, Leistungswillen und Multitaskingfähigkeit. Während unserer Ausbildung haben wir nicht nur die dem Lebenslauf zu entnehmenden Praktika absolviert und dabei gelernt unentschieden zu bleiben und uns ja nicht festzulegen, in diversen Auslandsaufenthalten in Europa, Amerika sowie Asien konnten wir außerdem unseren kulturellen Horizont erweitern und haben uns so nicht nur persönlich, sondern auch professionell …, na ja Sie wissen schon.

Als Unternehmen mit internationalen Beziehungen sind die Sprachkenntnisse in Englisch, Spanisch (Intensivsprachkurs auf Kuba), Italienisch (Auslandsstudium) und Thai (2 Jahre an der Universität) von besonderer Relevanz für Sie und verdeutlichen geschickt unsere Vielseitigkeit und Internationalität. Eine Entsendung kommt jedoch nicht infrage, da die Familienplanung vorgeht und wir nicht bereit sind unsere konservative und um Sicherheit bemühte Haltung gegenüber sozialen Kontakten für den Beruf aufzugeben. Als Generation Maybe steht es uns frei Alles und Nichts zu wollen und selbstbestimmt Karriere und Führungspositionen zu verweigern. Wir wollen arbeiten UND leben, was Eigenes starten, eine sanfte Karriere und auch mal Auszeiten nehmen können. Unsere private Selbstoptimierung, die sicher auch im beruflichen Rahmen effizient genutzt werden kann, führt zu einer chronischen Unzufriedenheit, die wir aber hochmotiviert auch noch Wegoptimieren werden.

Das Einstellungsgespräch nehmen wir hiermit (aus Mangel an Alternativen) vorweg: unsere größte Schwäche ist wohl unsere Selbstverliebtheit, welche aus der Bemutterung und der laschen Erziehung resultiert und im Extremfall zu Größenwahn führt. Unsere Stärke hingegen ist die Eigenständigkeit im individualisierten Mainstream: Wir wollen nicht nur Alles und Nichts, wir sind auch Alles und Nichts! Unser Lieblingsautor ist darum auch Max Frisch, der mit der Bildnisthematik und dem Rekurs auf das zweite Gebot im Alten Testament nicht nur unseren Wertekonservatismus befriedigt, sondern auch den Teufelskreis der Urteilszuschreibung behandelt: Sei vorsichtig dir ein Bildnis zu machen, es könnte internalisiert und somit wahr werden!

In diesem Sinne stehen wir Ihnen für weitere Fragen natürlich wie immer zur Verfügung und freuen uns bereits jetzt darauf, bei Ihnen einzusteigen!

Mit freundlichen Grüßen Ihre Generation Y

Jürgen Gabel

Jürgen Gabel

Jürgen Gabel hat nach dem Bachelor der "Kulturwirtschaft" in Passau beschlossen, dass Literatur sein Ding ist und schließt gerade den Master "Kulturpoetik" in Münster ab. Er interessiert sich für Gegenwartslyrik, Unternehmenskommunikation, Italien und alle anderen schönen Dinge des Lebens.
Jürgen Gabel

› tags: Bewerbung / Bildnis / Generation Y / Rollenbilder /

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